Der Panzer, der ein Mercedes ist: Super Ikonta 530/16

Super Ikonta 530/16

Diese 6×6 Super Ikonta, Baujahr zwischen 1935 und 1938, ist meine zweite Zeiss-Ikon Klappkamera nach meiner 6×9 Super Ikonta 531/2. Ein gut erhaltenes Exemplar, das seit seiner Wartung bei Herrn Wiener butterweich bedienen lässt und Fotos macht, als wäre es neu.

Die Super Ikonta ist das, was englischsprachige Webseiten gerne als “built like a tank” bezeichnen. Obwohl meine “Super-I” mitten in der Nazizeit das Licht der Welt erblickt hat, finde ich, dass sie mit ihrem Lack, ihrem Chrom und dem satten Geräusch, mit dem das Objektiv an seinem angenehm duftenden Lederbalg aufklappt, eher einem alten Mercedes gleicht als einem hässlichen, kettenrasselndem Panzer. Grundsolide, schwer und ein bisschen schwäbisch-bieder (obwohl sie nicht, – wie ihre Nachkriegsschwestern – in Stuttgart hergestellt wurde, sondern in Dresden). Und schwer und solide sind auch die ersten Worte, die einem einfallen, wenn man die Super Ikonta in der Hand hat.  Im Gegensatz zu ihr fühlt sich meine Agfa Isolette III, deren Bilder durchaus mit denen der Super Ikonta mithalten können, fast wie eine Sardinenbüchse mit Lederbalg und Objektiv an. Die Super Ikonta hingegen wirkt, als wäre sie aus einem massiven Block Metall gefräst, so gewichtig liegt sie in der Hand. Oder sagen wir mal: In beiden Händen, denn als eine einhändig zu bedienende Kamera kann man sie nun wirklich nicht bezeichnen.

Dafür ist die Super Ikonta – mercedesmäßig eben – auf ihre bürgerlich-biedere Weise mit allem Komfort ausgestattet, den eine Mittelformatkamera zu ihrer Zeit haben konnte: Einem wartungsarmen Drehkeil-Entfernungsmesser (allerdings mit separatem Okulareinblick), einem automatisch bei jedem neuen Bild stoppenden Bildtransport (für den man allerdings in Kauf nehmen muss, dass auf einen 120er Rollfilm anstatt 12 Aufnahmen nur 11 passen), einem Compur Rapid Zentralverschluss mit Zeiten von 1 bis 1/400 Sekunde und einem für die damalige Zeit recht lichtstarken, wenn auch unvergüteten Carl Zeiss Jena Tessar 2.8/80mm.

Ein legendäres Objektiv: Carl Zeiss Tessar 2.8/80mm - unvergütet
Ein legendäres Objektiv: Carl Zeiss Tessar 2.8/80mm – unvergütet
Das Bildzählwerk zählt nur bis 11 Aufnahmen - der Rand des Transportrades lässt sich zur besseren Bedienung um 90 Grad hochklappen
Das Bildzählwerk zählt nur bis 11 Aufnahmen – der Rand des Transportrades lässt sich zur besseren Bedienung um 90 Grad hochklappen

So viel zu den technischen Grunddaten der Kamera, aber ein paar persönliche Besonderheiten weist sie auch auf. Gebaut in Dresden, wurde sie in Breslau verkauft, im Fotogeschäft von V.Bittner, wie eine kleine, an den Rückdeckel der Kamera geschraubte Metallplatte stolz verkündet. Wie Heinrich Strauß, wohnhaft in Gelsenkirchen, Bochumer Str. 180 zu dem guten Stück gekommen ist, kann ich nicht sagen, wohl aber, dass er sich mit  einem Stempel auf der Innenseite der zur Kamera gehörenden Bereitschaftstasche aus dickem, dunkelbraunem Leder verewigt hat.

Die Bereitschaftstasche - massiv und aus Rindsleder
Die Bereitschaftstasche – massiv und aus Rindsleder

Ich gäbe ja viel dafür, die Bilder zu sehen, die Herr Strauß mit dieser Kamera aufgenommen hat, aber das wird wohl für immer ein Wunsch bleiben. Schade, aber den Namen eines Vorbesitzers meiner Zeitmaschine zu kennen ist ja auch schon was.

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