Meine Zeitmaschinen

Zeitmaschinen – das sind meine mechanischen Kameras, die alle ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Manche sind so alt wie ich, ein paar älter. Von manchen kenne ich die Geschichte, manche habe ich  in Fotoläden, von Privatpersonen und bei Ebay erworben und muss mir die Geschichten dazu erfinden.

Ich habe zwanzig Jahre als Profi-Fotograf gearbeitet und dann meine andere Leidenschaft – das Schreiben – zum Beruf gemacht. Die digitale Fotografie erschien mir zunächst wie ein Segen – keine Filme mehr kaufen, kein Geld fürs Entwickeln mehr ausgeben, Bilder zu haben, die man nach Belieben manipulieren und künstlerisch bearbeiten kann. Aber dann versank ich in einer Flut aus Tausenden von Bildern, die alle irgendwo auf meinen Festplatten liegen und vielleicht nie wieder angesehen werden, vermutlich nicht einmal von mir.

Und so kam ich zurück zur analogen Fotografie. Ich scannte mein Archiv von Kleinbild- und Rollfilmen ein und unternahm Entdeckungsreisen in mein Leben – wahre Fahrten mit der Zeitmaschine. Und ich fing an, wieder mit meinen alten Kameras zu fotografieren, für die ich schon immer eine Leidenschaft hatte. Ich entwickelte die Schwarzweißfilme mit den Überbleibseln meines professionellen Labors, das ich vor Jahrzehnten aufgelöst habe, scannte sie ein und erfreute mich an den Beschränkungen, die eine mechanische Kamera, ein 36 oder 12 Aufnahmen fassender Film und die Chemie der Silberhalogenidkristalle einem auferlegen. Grenzen sind nicht schlecht. Auch in der Fotografie.