Wieder einmal ein Flohmarktfund: Auf den Schwabinger Hofflohmärkten, am frühen Nachmittag, wenn die Profiaufkäufer längst durchgezogen sind und alle wirklichen Schnäppchen mitgenommen haben, entdecke ich auf einem kleinen Stand eine einsame Kamera, die ihre ostdeutsche Herkunft nicht verbergen kann: Eine Praktica super TL mit Jena T (Tessar durften sie damals in der DDR das von Carl Zeiss in Jena berühmt gemachte Objektiv nicht nennen) 2.8/50mm – also einer biederen Mittelklasseoptik, die aber – so weiß man noch von früher – alles andere als schlecht war …

Noch am Stand teste ich die grundlegenden Funktionen der Kamera durch: Der Durchblick durch das Prisma ist sauber, die Entfernungseinstellung des Objektivs ist leichtgängig, und alle Verschlusszeiten laufen ab. Was soll an der Kamera sonst noch schiefgehen? Vielleicht, dass der Belichtungsmesser (immerhin durchs Objektiv) defekt ist. Überprüfen kann ich ihn nicht mangels einer Batterie, und auch die junge Frau, die die Kamera verkauft, hat noch nie ein Foto damit gemacht und weiß nicht, ob er funktioniert. Egal. Die Kamera fühlt sich gut und solide an, und für 15 Euro nehme ich sie mit – das nämlich zahlt man für das Objektiv allein schon bei Ebay. Und irgendwie kann ich keine einsame Kamera liegen lassen, die es einfach verdient hat, dass noch einmal ein paar Filme mit ihr belichtet werden.

Ich habe den Entschluss bis jetzt noch nicht bereut, denn die super TL arbeitet, nachdem ich ihr eine neue Batterie spendiert habe, einwandfrei. Noch am Tag ihres Kaufes – mit noch totem Belichtungsmesser und geschätzten Belichtungsdaten – habe ich einen ersten Film mit ihr fotografiert, und hier sind ein paar der Bilder davon. Ein ausführlicherer Test der Kamera folgt demnächst …