Operation am offenen Balgen

Vor ein paar Tagen habe ich Post aus England bekommen. Einen Briefumschlag, in dem sich zwei Balgen befanden, vor einer Woche bei Sandeha Lynch bestellt, einem Fotografen, Bildhauer und  Liebhaber alter Balgenkameras.

Sandeha stellt Balgen für alle möglichen Kameras her, von der Linhof Technika bis zu diversen Großformatkameras. Sein Bestseller aber dürften Balgen für die Agfa Isolette sein, einer von Agfa in München gefertigten Faltkameras für das 6×6 Format, die aufgrund ihres kompakten, leichten Gehäuses und ihrer guten Objektive zu den beliebtesten Vertreterinnen ihrer Klasse gehört. Leider weisen fast alle Isoletten zwei typische Fehler auf.

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Cord oder Flex? Ein Rollei-Vergleichstest

Bauernmädchen vs. Dame von Welt

Wir wissen es alle: Man soll nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Und eine Rolleiflex nicht mit einer Rolleicord. Schließlich war die eine zu ihrer Zeit eine glamouröse Kameraprinzessin, die andere deren kleine, von der Natur (oder ihren Konstrukteuren) weniger reizvoll ausgestattete Schwester. Die Rollei für denjenigen, der keine “Flex” abbekommen hat. Aber was macht man als bekennender Rolleiflex-Fan, wenn einem für wenig Geld eine etwas ramponierte Rolleicord zuläuft, mit der es sich nach einer selbst vorgenommenen Reinigung des verharzten Verschlussmechanismus überraschend gut fotografieren lässt? Dann wird man neugierig und macht doch den Vergleichstest zwischen Äpfeln und Birnen, zwischen Villarriba und Villabajo, zwischen Flex und Cord. “Cord oder Flex? Ein Rollei-Vergleichstest” weiterlesen

Sportwagen trifft Limousine – Agfa Isolette III und Super Ikonta 530/16

Agfa Silette III (left) and Zeiss Ikon Super Ikonta 530/16 (right)
Agfa Silette III (links) und Zeiss Ikon Super Ikonta 530/16 (rechts)

Ich mag das 6×6-Format. Mochte es schon immer. Bevor ich zur digitalen Fotografie überging, verwendete ich diverse 6×6-Kameras für meine professionelle Fotografie, und heute nehme ich gerne eine meiner Rolleis zur Hand, um das magische Dutzend Fotos zu schießen, das mir ein 120er-Rollfilm bietet. Aber die Rolleicord und Rolleiflexen sind nicht meine einzigen 6×6-Kameras. Da gibt es noch die Faltkameras, eine Kategorie, die ich sehr schätze, sei es im Mittel- oder Kleinbildformat. 6×6-Faltkameras, die Mittelformatkameras für diejenigen, die es gern klein und leicht mögen, blicken auf eine lange Karriere zurück, die von den 1920er-Jahren bis in die jüngste Zeit reicht (man denke nur an die Voigtländer Bessa III, die vor 10 Jahren noch gebaut wurde).

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Der coole Volksschullehrer – Braun Super Paxette II BL

Braun Super Paxette II BL

Es begann bei Ebay. Ich suchte nach Objektiven für meine Leica IIIf, gab im Suchfeld “Objektiv 39mm Schraubgewinde” ein und stieß neben diversen Leica-Optiken auf eine Linse, von der ich bisher noch nicht einmal den Namen gehört hatte: Ein Röschlein-Kreuznach Telenar 3.5/90mm. Wer nicht alles Objektive für die Leica gebaut hat, sagte ich mir, aber dann las ich weiter.

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Muss man mögen: Fotografisches Roulette mit der Yashica AUTO Focus

 

Gut, es ist eine Schwäche, das gebe ich zu. Ich kann auf Flohmärkten an keiner alten Kamera vorbeigehen, ohne sie nicht wenigstens kurz in die Hand genommen zu haben, auch wenn sie, wie die Yashica Auto Fokus, die ich neulich auf den Schwabinger Hofflohmärkten entdeckte, definitiv nicht in die Rolleiflex-Leica-Hasselblad-Klasse gehört. “Muss man mögen: Fotografisches Roulette mit der Yashica AUTO Focus” weiterlesen

Die Schönheit aus dem Schminkköfferchen: meine Kodak Retina IIIc

 

Ich kann’s nicht verhehlen, ich hatte schon immer ein Faible für Kodak Retina Kameras, seit mir vor vielen Jahren mein Onkel Bertl eine Retina I geschenkt hat. Der kleine Apparat hatte ein unvergütetes Schneider-Kreuznach Xenar 3.5/50mm, und sein schwarzer Lack zeigte heftige Gebrauchsspuren, und weil die Retina I nur einen winzigen Sucher und keinen Entfernungsmesser hatte, glich das Fotografieren mit ihr einem Blindflug.

Aber die kleine Kamera hatte durchaus ihren eigenen Charakter, und mein Onkel hatte sie in den 1930er-Jahren mit auf seine legendären Bergtouren genommen – ein Umstand, der mich veranlasste, sie als kompakte und leichte Begleiterin auf viele meiner Motorradreisen quer durch Europa mitzunehmen. Sie ließ mich kein einziges Mal im Stich.

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Mit der Leica CL (analog) in der Toskana

Eigentlich war es eine Feier zu einem runden Geburtstag, eine halbe Autostunde von Pisa entfernt auf einem alten toskanischen Weingut. Aber für mich war es auch eine willkommene Gelegenheit, an einem verlängerten Wochenende mit der Leica CL ein wenig in der Toskana zu fotografieren, in der gerade der Frühling anbrach, fernab vom Touristentrubel der Städte. Also mit der alten, analogen CL, versteht sich, nicht mit der neuen, digitalen APS-C-Kamera, der Leitz den selben Namen gegeben hat wie jenem nur vermeintlich missratenen Kind der 70er-Jahre mit deutschem Vater und japanischer Mutter.  Die alte CL entstand aus einer Kooperation von Leitz mit Minolta und wurde in Japan, wo sie bei Minolta gefertigt wurde, unter dem Namen Leitz Minolta CL vertrieben.

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Achten Sie auf die Groß- und Kleinschreibung – ein “c” ist kein “C”

Die große "C" - Endpunkt der Kodak Klappkamera-Entwicklung
Die große “C” – Endpunkt der Kodak Klappkamera-Entwicklung

Achten Sie auf die Groß- und Kleinschreibung! Das ist ein beliebter Hotline-Tipp für Menschen, die Probleme mit ihren Passwörtern haben. Bei Kameras ist es eher egal, ob man sie nun “leica” oder “Leica” schreibt, gemeint ist das gleiche. Nicht so bei der Kodak Retina IIIc/C, was sie möglicherweise zur idealen Kamera für penible Deutschlehrer macht. Denn bei dieser letzten Kleinbild-Klappkamera, die im Kodakwerk in Stuttgart gebaut wurde, macht es einen ziemlichen Unterschied, ob man das “C” hinter der römischen III groß oder klein schreibt.

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